Das Martin-Luther-Haus in Küppersteg

Nach der Kapitulation Deutschlands stand 1945 der Gemeindebezirk Rheindorf, Bürrig und Küppersteg ohne Gottesdienststätte da. Als „Notunterkunft“ wurde ein Ladenlokal in der Bahnhofstraße 8 (heute: Küppersteger Straße) gefunden, wo am 31. Dezember 1945 der erste Gottesdienst gehalten wurde. Die Räumlichkeiten waren zu klein und unbeheizt und bei 3000 Gemeindegliedern (!) machte dieser Raum sonntags mehrere Gottesdienste erforderlich. Zur damaligen Zeit war Küppersteg vermutlich der „evangelischste“ Stadtteil Leverkusens. Doch in der Folgezeit sollten Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten auch in Bürrig zuziehen und das Leben und Gepräge verändern.

Es wurde bald nötig, sich nach weiteren Gottesdiensträumen umzuschauen. So ist es verständlich, dass das Wiesdorfer Presbyterium, nachdem die Christuskirche am 1. Advent 1949 wieder eingeweiht werden konnte, den Beschluss fasste, zunächst in diesem Bezirk zu bauen. Durch Vermittlung des Architekten Fähler gelang ein Tausch mit Grundstücken der Stadt. Diese übernahm das Grundstück im „Aquila-Gelände“ und die Kirchengemeinde erhielt dafür die Äcker an der Alten Landstraße, auf denen das neue „Martin-Luther Haus“ und das Altenheim erbaut wurden. Der Tausch war damals angesagt, weil so auch die kirchliche Versorgung Bürrigs besser geschehen konnte, denn der neue Bauplatz lag zentral. Hier wurde nun ein Gemeindezentrum geplant - bestehend aus Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus.

Das Gemeindehaus sollte zuerst gebaut werden. Am 8. Mai 1950 erfolgte der erste Spatenstich - der Spaten brach dabei ab. Bereits am 1. Advent 1950 konnte das Gemeindehaus mit dem Kindergarten eingeweiht werden - als Name wurde „Martin-Luther-Haus“ gewählt. Oberkirchenrat Schlingensiepen vollzog die Einweihung. Von Pfarrer Pollmann stammte die Idee, den Text aus Römer 10, 13+4+17 als Wandinschrift für den Altarraum vorzusehen - noch in der Nacht vor der Einweihung wurde das Sgraffito durch den Maler Bode aus Offenbach mit einem Taschenmesser in die Wand eingeschnitten, während der Elektromeister Fink vom Rüttersweg, der auch die elektrischen Anlagen installiert hatte, den noch frischen Putz mit Haartrocknern vor Tagesanbruch zu festigen versuchte. Nicht nur dieser erste Gottesdienst in dem damals mit 300 Stühlen bestellten Raum war vollbesetzt, sondern auch der Großteil der in den kommenden Jahren folgenden, so dass zuweilen noch der Korridor und der heutige Konfirmandenraum dazu genommen werden mussten.

Heute, nach 60 Jahren, finden im Martin-Luther-Haus immer noch besondere Gottesdienste statt, z.B. die Gottesdienste des Kindergartens. Der Kindergarten hat sich zu einer Kindertagesstätte und Familienzentrum NRW weiterentwickelt und neben dem Gemeindebüro finden einige gemeindliche Gruppen im Gemeindehaus Platz.